VER S TREUEN
am donnerstag, 16. april 2026 um 19 uhr im forum stadtpark graz
mit lydia haider (wien), alexander graeff (berlin) und ulf stolterfoht (berlin.) · moderation: julia knaß und stefan schmitzer
die grazer zeitschrift perspektive lädt zum VER S TREUEN ein: einem leseabend mit drei autor:innen, von denen im vorjahr (wie wir finden) bedeutsame impulse für die zeitgenössische lyrik ausgingen, die aber in den veranstaltungsprogrammen der heimlichen literaturhauptstadt graz nicht vorkamen. ver s treuen versteht sich in diesem sinne als poetischer – verse streuender – nachtrag zum Jahr 2025 …
LYDIA HAIDER (*1985 in Steyr) ist Schriftstellerin und lebt in Wien. Sie studierte Germanistik und Philosophie. Haider ist Chefpredigerin der Musikkapelle Gebenedeit und Mitglied der Burschenschaft Hysteria. 2020 erhielt sie den Publikumspreis bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur. Letzte Veröffentlichungen in der parasitenpresse sind die Bände »Oh Wien, siehe die Sau (dein Land) (2023) « und »Näher zu thee, hehr Beidltum (Österreich) / Closer to thou als Gott« (2025).
In »Näher zu thee, hehr Beidltum (Österreich) / Closer to thou als Gott« entwirft Haider ein Lehrgedicht über eine bereits faschistisch gewordene Gegenwart. Das »Beidltum« bezeichnet dabei zugleich ein imaginäres Reich, die patriarchale Ideologie der extremen Rechten und ein Denken, das längst bis in die gesellschaftliche Mitte vorgedrungen ist. In einem rhythmischen Sprechgesang überzeichnet Haider diese Logik und legt ihre Absurdität frei. Der Text zeigt auf, wie nah politischer Extremismus und gesellschaftliche Normalität beieinanderliegen.
Foto (c) Apollonia Theresa Bitzan
ALEXANDER GRAEFF (*1976 in Bad Kreuznach) ist Schriftsteller, Philosoph und Literaturvermittler. Er schreibt Lyrik, Prosa sowie biografisch-philosophische Essays. Er ist Leiter des Programmbereichs Literatur in der Brotfabrik Berlin und engagiert sich in der Queer Media Society für mehr queere Sichtbarkeit im deutschsprachigen Literaturbetrieb. Er lebt in Berlin. Letzte Veröffentlichungen im Verlagshaus Berlin sind der Essay »QUEER« (2022) und der Lyrikband »Deine Revolution für Ungenauigkeit hat Zukunftswert« (2025).
In »Deine Revolution für Ungenauigkeit hat Zukunftswert« findet Graeff eine poetische, eine verbindende Sprache für die klima-, körper- und sozialpolitischen Herausforderungen der Gegenwart. Diese Revolution ist keine Bilderstürmerei, sie ist ein sanftes Bevölkern der Gegenwart mit Bildern, die sich anschmiegen wie das Farbspiel des Oktopus an seine Umgebung. Graeffs Gedichte sind witzig, wütend, liebevoll. Die Revolution ist ein sachtes Wachstum, gebaut auf einer nonbinären, ozeanischen Wirklichkeit. Es streckt seine tastenden Tentakel behutsam in alle Richtungen: um zu verbinden — nicht zu vereinen, denn »mein achter Tentakel / macht was er will«.
Foto (c) Natalia Reich.
ULF STOLTERFOHT (*1963 in Stuttgart) lebt in Berlin. Lyriker und Übersetzer. Knappe der
Lyrikknappschaft Schöneberg. Peter Huchel-Preis 2008 für den Band »holzrauch über heslach«. Zuletzt »rückkehr von krähe« (2025) und »die mappe hochwechsler. 150 gedichte von der kalten alp« (2026).
In »rückkehr von krähe« greift Stolterfoht die Figur der Krähe auf, die Ted Hughes 1970 in seinem Band Crow eingeführt hat. Krähe bleibt auch hier eine schwer festzulegende Gestalt zwischen Vogel, Mensch und Trickster. In vierzehn Abteilungen entfaltet Stolterfoht ein langes Abenteuergedicht, in dem immer neue Figuren, Ideen und poetische Abschweifungen auftauchen. So entsteht eine weit verzweigte Saga, in der sich Krähe durch Literatur, Mythos und Gegenwart bewegt.


